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03.05.2019

Gabriele Reich-Gutjahr, MdL, zu Gast beim Fachverband

Die Sprecherin der F.D.P.-Fraktion im baden-württembergischen Landtag für Wirtschafts-, Umwelt- und Wohnungsbaupolitik kam in die Geschäftsstelle des Fachverbandes, um sich mit Präsident Thomas Bürkle und Hauptgeschäftsführer Andreas Bek zu eben diesen Themen auszutauschen.

Wirtschaftliche Themen
Frau Reich-Gutjahr erkundigte sich eingangs nach der Branchenkonjunktur im ba.-wü. E-Handwerk: Das gegenwärtig niedrige Zinsniveau, die damit verbundene Flucht der Anleger in Immobilien sowie die jährlich zunehmende Bedeutung der Elektro- und Informationstechnik führen zu einer hohen Nachfrage elektrotechnischer Dienstleistungen. Auch wenn die Branche die letzten sieben Jahre kontinuierlich Beschäftigung aufgebaut hat, so reichen die Fachkräfte kaum aus, diesen Bedarf zu befriedigen. Daran ändert auch die hohe Ausbildungsleistung der E-Handwerksunternehmen bislang kaum etwas, obgleich bereits im 5. Jahr in Folge mehr neuabgeschlossene Ausbildungsverhältnisse in die richtige Richtung weisen, so Andreas Bek. Derzeit verfügten viele Betriebe über mehr als 120 % Auslastung, wenngleich auch am Horizont dunklere Wolken am Branchen-Konjunkturhimmel aufzögen.

Smarte Anwendungen und Ladeinfrastruktur für die E-Mobilität
Am E-Handwerk komme kaum jemand vorbei, wenn es um anspruchsvolle und individuelle Lösungen geht. Als anschauliches Beispiel nannte Bürkle Photovoltaik-Lösungen mit integrierten Speicherlösungen und hohen Eigenverbrauchsquoten, die zudem Ladepunkte für Elektromobile vorsehen, um idealerweise den eigenerzeugten Strom tanken zu können. Technisch ist dies alles lösbar und kein Problem, allerdings gebe es einige rechtlichen Dinge wie, z.B. an der Schnittstelle zu den Netzbetreibern, zu beachten. Hier stehen die speziell geschulten Innungsfachbetriebe aus dem E-Handwerk gerne allen Kunden zur Verfügung ganz gleich ob aus dem privaten und öffentlichen Umfeld oder aus dem gewerblichen Bereich. Wie auch auf der eltefa 2019 im E-Haus gezeigt werde, kämen auch immer mehr Sprachanwendungen auf den Markt, die nicht nur im Bereich der Unterhaltung das tägliche Leben bereichern, sondern vor allem auch sinnvolle Anwendungen auf Wohnkomfort ermöglichen. Die Bedeutung steige vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung und der Erfordernis und dem Wunsch vieler älterer Menschen, länger in den eigenen vier Wänden verbleiben zu können.

Nachhaltigkeit ist wichtig
Nicht nur im Hinblick auf Nachhaltigkeit und die Umwelt sind smarte Investitionen in Gebäude wichtig. Deshalb sei es auch nicht zielführend nur auf die Erstellungskosten von Gebäuden zu achten. Einig waren sich Reich-Gutjahr und die Fachverbandsvertreter darüber, dass dringend bezahlbarerer Wohnraum vor allem in Ballungsräumen im Land geschaffen werden müsse. Allerdings, so weist der Fachverbandspräsident ferner darauf hin, sei es sinnvoll die gesamte Nutzungsperiode von Gebäuden - unter Einbeziehung verschiedener Nutzungsarten bzw. des Nutzerverhaltens - zu betrachten. Daher dürfe nicht nur alleine die Gebäudehülle betrachtet werden, die selbstverständlich eine wichtige Rolle spiele, sondern es sollten auch vorab Investitionen in Dämmmaßnahmen vor allem im Bestandsbau sehr genau geprüft werden. Denn oftmals verursachten die Hebung der letzten 20 Prozent des Einsparpotenzials überproportional hohe Investitionskosten. Darüber hinaus müsse, so Bürkle weiter, insbesondere auch auf eine flexible technische Infrastruktur innerhalb des Gebäudes geachtet werden, um unterschiedliche Nutzungsvarianten zuzulassen. Folgeinvestitionen sollten z.B. durch eine teure Nachrüstung von Steuerungssystemen im Hinblick auf AAL-Anwendungen nach Möglichkeit vermieden werden. Machbar sei dies durch rechtzeitige Installation in sehr preiswerte Basisinstallationsvarianten, die bei der Erstellung in preislicher Hinsicht kaum ins Gewicht fallen. Tiefe Schalterdosen und die Verlegung von Buskabeln, auch wenn diese nicht von Anfang an genutzt würden, seien hier sinnvolle Bausteine, so die Verbandsvertreter.

Architekten als wichtige Multiplikatoren
Reich-Gutjahr verwies auf die wichtige Rolle der Architekten, die mit der richtigen Philosophie ausgestattet, hier eine Schlüsselfunktion einnehmen. Allerdings gebe es auf Seite der Planer auch sehr unterschiedliche Ansätze und Wissensstände. Der Fachverband führte nicht zuletzt auch deshalb auf der eltefa 2019 die AID-Veranstaltung durch, bei der Planer und Architekten über neue Möglichkeiten z.B. im Bereich der Steuerungs- bzw. Beleuchtungstechnik informiert werden.

Investitionen notwendig
Der Gebäudebestand ist überaltert. Rund 70 Prozent der Gebäude sind älter als 50 Jahre. Wenn man bedenkt, welches rasante Tempo die Innovationen im Bereich der Informationstechnik und der Elektrotechnik in den letzten 50 Jahren genommen haben, dann wird schnell klar, dass hier enorme Investitionen erforderlich sind. Oftmals wurde bei Renovierungen nur mit "Pinsel und Farbe" gearbeitet, die Gebäudetechnik wurde jedoch häufig gar nicht erst angetastet - geschweige denn auf den heutigen Stand der Technik bzw. das heute herrschende Sicherheitsniveau gebracht. Bürkle veranschaulichte dies eindrucksvoll am Personenschutzautomaten (FI), der heute im Neubau bei allen, dem Laien zugängigen Steckdosenstromkreisen, normativ vorgeschrieben ist. Eine Nachrüstung solcher lebensrettenden Technologie im Bestandsbau gab es aber in der Praxis kaum.

Sichere Technik
Die beiden Fachverbandsvertreter unterstrichen auch die Bedeutung einer sicheren elektrotechnischen Infrastruktur. Denn durch den Einsatz moderner Geräte und Technologien entstünden neue Herausforderungen an bestehenden elektrotechnischen Anlagen. Der Einsatz von Regelelektronik, z.B. in Form von Trafos beim Einsatz von LED-Beleuchtungselementen, führe zu Oberwellen, die oftmals die immer sensibleren Endgeräte beeinflussen. Eine fachgerechte Installation durch entsprechend aus- und weitergebildete Fachkräfte sei hier unerlässlich. Andreas Bek verwies auf den E-CHECK, der nicht nur Gewerbekunden und Kunden aus dem Öffentlichen Bereich mehr Sicherheit bietet. Auch bei Privatkunden führten regelmäßige Überprüfungen von elektrotechnischen Anlagen und Geräten - wie diese bereits von den verschiedenen Berufsgenossenschaften im Bereich des Arbeitsschutzes zwingend vorgeschrieben sind - auch für die Familie zu einem deutlich höheren Sicherheitsniveau. Regelmäßige Schulungen gewährleisten den Kunden, dass die E-CHECK-Betriebe und deren Beschäftigte stets über die neuesten Normen und Anwendungen informiert sind und dies auch anwenden können.

Landesbauordnung
Thomas Bürkle erläuterte anhand eines anschaulichen Beispiels, wie umständlich es ist bzw. welche Zusatzkosten auf einen Kunden zukommen, der sein Gebäude umbaut und dabei die preiswerten Leerrohre für zukünftige Leitungen nicht berücksichtigt. Mit Blick auf die Zukunft der E-Mobilität und steigende Nutzung von E-Autos, plädiere der Fachverband daher für eine gesetzliche Vorgabe zum Einbau von Leerrohren in Garagen im privaten Wohnungsbau, um teure Kosten für eine spätere Nachrüstung für Ladestationen zu vermeiden. Thomas Bürkle und Andreas Bek übergaben der FDP-Politikerin einen umfangreichen Leitfaden zum Thema Ladeinfrastruktur für E-Mobilität und untermauerten damit die Forderung des ba.-wü. E-Handwerks nach Verankerung in der Landesbauordnung.

Resümee
Frau Reich-Gutjahr bedankte sich für den informativen Austausch und nahm gerne die Einladung des Fachverbandes an, die elektrische Speicherlösung des Verbandes in der Geschäftsstelle zu besichtigen, die an die 12,4 kWp-Photovoltaik-Anlage angeschlossen ist. Beide Seiten wollen den Dialog fortsetzen.

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